Tzaziki, Themen und neue Ideen

Patrick Klein hatte eingeladen. Und ich war gespannt, was aus einem Format wird, das sich „Tzaziki, Themen und neue Ideen" nennt. Keine Tagesordnung, keine Vorträge, keine Beschlussvorlagen. Einfach: hinsetzen, reden, zuhören. Und zwar ehrlich.

Es wurde einer der besten politischen Abende, die ich seit langem erlebt habe.


Der ICE, der uns davonfährt

Wir waren knapp ein Dutzend: die Hirschberger Gemeinderäte Tobias Rell und Oliver Reisig, Joachim Schneider vom Weinheimer Ortsverband, ich als ehemaliger Landtagskandidat - sowie Mitglieder, die nicht gewählt sind, aber etwas zu sagen haben. Genau die richtige Mischung.

Das erste Thema, in das wir eintauchten, war KI. Und unsere Stimmung war klar: Deutschland verschläft das. Nicht ein bisschen, sondern strukturell. Während andere Länder KI in Verwaltungen, Unternehmen und Bildung integrieren, diskutieren wir hierzulande immer noch, ob das alles nicht gefährlich ist.

Mein Punkt an dem Abend: Wir brauchen Akzeptanz statt Verteufelung. KI ist keine Bedrohung. KI ist das produktivste Werkzeug, das wir seit der Industrialisierung in die Hand bekommen haben. „Das ist nicht nur ein Zug, das ist ein ICE, der da rennt", sagte jemand aus der Runde. Genau so ist es!

Oliver Reisig machte es konkret für Hirschberg: digitale Prozesse in der Verwaltung finden, fördern, einfordern. KI kann dem Rathaus mehr Effizienz verleihen. Ja, das bedeutet mittelfristig auch, dass man mit weniger Personal mehr schafft. Darüber muss man reden dürfen.

Dass die FDP sich das Thema KI auf die Fahne schreiben sollte, war Konsens. Ich sage: Wenn nicht wir Liberalen Technologie-Offenheit und Fortschritt verkörpern, wer dann?


Bürokratie, die lähmt

Beim Thema Verwaltung blieben unsere Ideen und Visionen nicht nur bei der Technik. Dass überbordende Bürokratie, fehlende Digitalisierung und immer neue Aufgaben von oben die Arbeit der Rathausmitarbeiter erschweren - darüber waren wir uns einig.

Dennoch, bei der Frage, was man dagegen tun kann, sind unsere Ansätze auseinander gegangen. Beispielsweise kam bei einigen in unserer Runde die Idee auf, den „bürokratischen Ungehorsam" wieder ins Spiel zu bringen: Die Kommunen als schwächstes Glied in der Kette von Bund über Land hinunter müssten ein Signal senden. Andere wiederum vertraten die Ansicht, Nein zu sagen, wenn Vorgaben die Arbeit vor Ort lähmen, statt sie zu ermöglichen.

Patrick Klein erinnerte an den Aktionstag „Kommunen am Limit" am 22. Juni - unserem Diskussionsabend. „Es ist gut, dass sich die Kommunen zusammentun." Das sehe ich genauso. Der Druck von unten muss wachsen, sonst ändert sich oben nichts.


Splitterpartei? Ja. Aber nicht kampflos.

Patrick hatte den Abend mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme eröffnet: Die FDP steht vor Herausforderungen, die Neuaufstellung ist eine Chance zur Profilschärfung. Wie begeistern wir mehr Menschen für liberale Politik? Was wünschen wir uns für Hirschberg?

Meine Antwort war deutlich. Und ich wiederhole sie hier: „Wir sind eine Splitterpartei, wir sind gar nicht existent." Das ist Realität in Baden-Württemberg. Liberale Politik spielt derzeit einzig in den Kommunalparlamenten noch eine Rolle. Das ist die Basis, von der aus wir wieder sichtbar werden müssen. Und von dieser Basis aus müssen wir durchaus aggressiv Position beziehen für unsere und damit auch für die Inhalte der FDP.


Fortsetzung erwünscht

Nicht alle Fragen fanden an diesem Abend eine Antwort. Wie man mehr Menschen für liberale Politik begeistert, darauf gab es keine einfache Lösung. Aber genau darin liegt der Wert: „Tzaziki, Themen und neue Ideen" schafft den Raum, in dem diese Fragen überhaupt gestellt werden.

Patrick Klein hat mit diesem Format etwas angestoßen, das die FDP dringend braucht: echten Diskurs, klare Positionen, den Mut zur Lücke. Ich bin gespannt auf die nächste Runde.


Danke, liebe RNZ!

Dass ein solcher Abend nicht im stillen Kämmerlein verpufft, ist keine Selbstverständlichkeit. Lokaljournalismus lebt davon, dass Redaktionen vor Ort sind. Nicht nur bei den großen Terminen, sondern auch bei einem Dutzend Liberaler, die sich an einem Sommerabend über KI, Bürokratie und die Zukunft ihrer Partei den Kopf zerbrechen.

Ihr wart dabei. Und Ihr habt darüber berichtet. Dafür meinen ausdrücklichen Dank.

Der RNZ-Artikel ist im E-Paper erschienen: Ausgabe vom 24. Juni 2026, Seite 5 / Bergstraße-Neckar